Sonntag, 16. Dezember 2012

KNALLER NEWS


Knaller News - der feuchte Traum jedes Boulevard-Journalisten. Diese Storys sind völlig überzogen und pures Traffic-Gold. 
 
 

Samstag, 15. Dezember 2012

M-Magazin: "Apps im Sport – die Hightech-Trainer"


Frisch aus der eigenen Text-Schmiede: Gestern im Briefkasten und heute im Blog: Für das M-Magazin habe ich ein Stück über den Einsatz von Apps im Sport geschrieben. Vor allem Fans des BVBs kommen – vor allem visuell – auf ihre Kosten.


Montag, 26. November 2012

Seminar: Online-Journalismus


Einer meiner Lieblings-Termine: Das Wochenseminar für das Medienbüro in Hamburg zum Thema Online-Journalismus. Es war eine tolle Gruppe. Aktuell gibt es kaum einen Kurs, den ich mit mehr Spaß gebe. Im nächsten Jahr gibt es den Kurs wieder. Am 9. und 10. Februar




Freitag, 21. September 2012

People-Journalismus vs. Realität

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Die Champions League hat begonnen und eines der Top-Themen der vergangen drei Tage war der Umstand, dass Borussia Dortmund und seinem Trainer Jürgen Klopp endlich ein Erfolgserlebnis gelang. Alle Medien beschäftigten sich mit diesem aktuellen Thema. Bis auf die People-Presse.



Die „In“ und die „Gala“ gingen das Kloppo-Thema anders an. Sie setzten den Familien-Menschen Klopp und seine Frau Ulla in Szene. Aufhänger für die heimeligen Storys, war...

für „In“: „Jürgen Klopp ist neue Werbefigur für Philips-Rasierer. „In“-Chefreporter Renato Leo traf den Dreitagebart-Träger auf der internationalen Funkausstellung in Berlin.“

für „Gala“: „’Gala’-Redakteurin Martina Ochs und Chefreporter Hauke Herffs trafen Jürgen Klopp im Rahmen der (Philipps)-Aktion 'Dein Bart für Deutschland' in Hamburg.“

Donnerstag, 20. September 2012

Schreibende Journalisten werden den Print-Journalismus nicht retten

Das sind die Tage, an die man sich später noch erinnert:

-       Die Print-Krise ist heftiger denn je zurück. In Nürnberg steht die AZ vordem Aus. DuMont entlässt die gesamte Redaktion des Berliner Abendblatt und bereits Gestern wurde bekannt, dass die WAZ-Gruppe in jedemUnternehmensteil 20 Prozent der Kosten einsparen will. Also auch in den Redaktionen der Tageszeitungen, die vor nicht einmal zwei Jahren schon 300, der rund 900 Redakteursstellen einsparen mussten.

-       Beim Scoopcamp in Hamburg sitzt Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, auf den Podium und muss über mögliche neue digitale Geschäftsmodelle für den Journalismus sprechen, weil abzusehen ist, dass sich der Rückgang der Erlöse der gedruckten Ausgaben kaum stoppen lässt. Er sagt: „Ich will endlich einmal wieder nur über das Schreiben, über Texte, über Recherche sprechen. Immer wenn heute Chefredakteure auf einem Podium zusammensitzen, geht es um Geschäftsmodelle und neue Plattformen, statt um unsere eigentliche Profession: die journalistische Qualität“.

Haider hat recht. Aber selbst wenn er auf die höchste Qualität setzten würde und nur noch Nannen-Preis-würdige Recherchen und Reportagen veröffentlichte, wird er den Niedergang des gedruckten Journalismus im Mainstream nicht stoppen können. Denn: Die Menschen brauchen ihn nicht mehr. News und Meinung liefert das Web und für Reportagen und Unterhaltung sorgt das Fernsehen. Zwischen diesen Polen wird die Tageszeitung mittelfristig zerrieben. So ist selbst im Web der Trend zum Bewegtbild kaum zu stoppen. Vor Jahren sagten Bild.de-Chefredakteur Manfred Hart bereits, dass sich Bild.de zu Bewegt-Bild.de wandeln wird. Spätestens, wenn das Boulevard-Portal in einem Jahr, die Rechte für Bundesliga hält, wird dieser Prozess massiv beschleunigt. Fußball war schon immer ein wichtiger Treiber für Medien-Entwicklungen. 

Was kann also die Lösung für dieses Dilemma sein?
Die Zukunft könnten gemischte Reporter-Teams aus TV- und Print-Profis sein. Eine Mannschaft recherchiert gemeinsam ein Thema und bespielt damit alle Kanäle. Tatsächlich könnte der Mix aus schreibenden und filmenden Reportern für höchst spannende Ergebnissen führen. TV-Profis können sehr schnell arbeiten, sind entscheidungsfreudig und immer sofort draußen bei den Originalschauplätzen. Schließlich brauchen sie die Bilder. Die schreibenden Kollegen sind sicherlich stärker in der Recherche und meinungskräftiger und tiefer in der Analyse.

Das Ergebnis könnte ein ganz spannender Journalismus ein. Einen Vorgeschmack lieferte beispielsweise Günther Wallraff, dessen letzte investigative Recherche als Kurierfahrer bei RTL als Doku lief und einen Tag später im Zeit Magazin als Print-Reportage. 

Einen ersten Versuch könnten doch einmal die Bertelsmann-Töchter RTL und Gruner und Jahr machen. Ich bin mir sicher: Ein gemischtes Team aus Stern- oder GEO-Redakteuren und RTL-Journalisten könnte großartigen Journalismus abliefern.

Montag, 3. September 2012

Plöchinger zur Zukunft von Süddeutsche.de


Zwischenruf: Im Zuge eines kleines Interview über sein spannendes Posting „Qualität versus Tricks“, verriet der SZ.de-ChefredakteurStefan Plöchinger auch, wie er sich die Zukunft von Süddeutsche.de vorstellt.


„Wir wollen im Netz das machen, was die SZ als Zeitung ausmacht. Wir wollen das verlässlichste, kenntnisreichste Nachrichtenportal der Republik sein, die Live-Ausgabe der Süddeutschen. Kein Boulevardportal wie so viele andere. Aber mit dem Augenzwinkern, dass dieser Zeitung zueigen ist. Je besser uns das gelingt, umso mehr Leser werden langfristig kommen.“

Im Einheitsbrei der vielen Nachrichten-Portale klingt das doch vielversprechend. Dann lassen wir uns mal überraschen.

Sonntag, 2. September 2012

Markus Lanz: man kann nicht nicht kommunizieren


Ich stelle mir den ganzen Abend schon eine Frage: Was hat Markus Lanz denn eigentlich tatsächlich im Interview mit dem Focus gesagt? Darüber spricht keiner. Stattdessen eiert das ZDF, eiert Herr Lanz und der Focus gibt – juristisch korrekt der ZDF-Pressestelle die Schuld. Über den Kern redet aber keiner.

Die Vorgeschichten:
- Der Focus verschickt eine Pressemitteilung zu einem Interview mit Markus Lanz. Kernaussage: "Ich bin mir ganz sicher, dass er  (Gottschalk) 'Wetten, dass ...?' schaden will".

- Kurze Zeit später reagiert das ZDF: „In der entsprechenden Interviewpassage mit dem Focus hatte Markus Lanz wörtlich gesagt: 'Ich bin mir ganz sicher, dass er 'Wetten, dass..?' nicht schaden will.' Das Wort 'nicht' ist im Zuge der Autorisierung des Interviews aus nicht nachvollziehbaren Gründen gelöscht worden. Leider ist uns der Fehler nicht aufgefallen.”

- Markus Lanz meldet sich via Bild zu Wort: „Ich weiß, dass Thomas Gottschalk nichts ferner liegt, als der Sendung, die so sehr mit ihm verbunden ist, zu schaden. Warum das Wörtchen ,nicht` aus dem Originalzitat gerutscht ist, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass es sehr viel wichtigere Probleme auf der Welt gibt als das."

- Der
Focus antwortet beiden: "Durch die Pressemitteilung des ZDF entsteht der Eindruck, das Nachrichtenmagazin Focus hätte bei der Autorisierung des Interviews mit Markus Lanz in der aktuellen Ausgabe (erscheint am 3. September) einen Fehler begangen. Das Gegenteil ist der Fall. In der dem Nachrichtenmagazin Focus vom ZDF übermittelten autorisierten Fassung steht der Satz: "Ich bin mir ganz sicher, dass er (gemeint ist Thomas Gottschalk, Anm. der Redaktion) ,Wetten, dass...? schaden will."" Weiter heißt es: "Die Focus-Redaktion hatte die ZDF-Pressestelle am Donnerstagnachmittag darauf hingewiesen, dass das Originalinterview vom ZDF bei der Autorisierung an mehreren Stellen massiv geändert worden sei. Die Redaktion hatte deswegen Gesprächsbedarf angemeldet. Daraufhin erklärte das ZDF per E-Mail, eine nochmalige Überarbeitung ist sicher schon zeitlich nicht möglich, das Interview mit Markus Lanz sei "gelungen" und außerdem "dicht am Original". "


Also noch einmal: Was hat Lanz wirklich gesagt? Hat er den folgenschweren Satz gesagt und das ZDF vergaß später das Interview an dieser Stelle zu bereinigen das „nicht“ aus dem Satz wieder zu entfernen. Oder formulierte er mit „nicht“ und das ZDF strich das Wort aus Versehen? Die Aussagen der Beteiligten lassen sich in beide Richtungen deuten.

Also lieber Focus. Wenn es eine Aufzeichnung von dem Gespräch gibt, dann stellt sie doch bitte online.

Liebes ZDF, muss dieser Autorisierungs-Wahnsinn denn immer sein. Das Umschreiben von Gesprächen nimmt wirklich überhand. Da hat DWDL schonrecht . Vielleicht sollten künftig immer die Pressestellen gleich die Interviews führen und den Medien dann zur Verfügung stellen. Die CDU in Niedersachsen ist in dieser Technik schon ganz weit vorne.

Donnerstag, 2. August 2012

Über diese Nachrichtenportale spricht das Social Web


Ein wunderbares Tool: Süddeutsche.de hat heute sein Angebot um einen Service erweitert, der für alle wichtigen deutschen Web-Medien und ein paar internationale Angebote zeigt, welche drei Storys auf Facebook und Twitter am häufigsten geteilt werden.

So wird sichtbar über welche Storys das Social Web am häufigsten spricht. Rechnet man einfach die Top-3-Empfehlungen im vergangen Monat zusammen erhält man ein Ahnung davon, welche Medien bei Facebook, Twitter & Co. die Meinungsführer sind.



Das Ergebnis: Wenig überraschend führt die New York Times vor der BBC. Bestes deutsches Angebot ist Spiegel Online vor taz.de. Das tolle Abschneiden der tageszeitung hat mich sowohl überrascht und gefreut.

Böse abgeschlagen auf den letzten Platz liegt FTD.de




Süddeutsche.de-Chef Plöchinger erklärt sein Ziel: „Wir sollten dafür sorgen, dass Sie als Leser guten Journalismus im Netz finden, ob bei uns oder anderswo. Auch wenn es in den oft alarmistischen deutschen Internetrecht-Debatten manchmal anders argumentiert wird: Das Netz und damit auch wir als Seite leben vom Verlinken und Verlinktwerden, vom Empfehlen toller Texte, kurz, von offenem Journalismus, wie es Vordenker Alan Rusbridger vom britischen Guardian nennt.“

Recht hat der Mann!

Sonntag, 29. Juli 2012

PM-Porn: Wie Bauer durch die kommunikative Hintertür eine Zeitschrift einstellte


Besondere Pressemitteilungen aus dem Redaktions-Alltag:
Grundsätzlich ist es so, dass ein Verlag im Laufe eines Jahres immer einige neue Magazine auf den Markt bringt. Einige kommen als Sonderhefte, andere als One-Shots und wiederum andere werden gleich mit großen Tamtam eingeführt. So oder so: wenn ein Konzept am Kiosk durchfällt, wird das Blatt wieder eingestampft. So funktioniert der Markt. Das ist halt so. Nicht jeder Titel findet die richtige Zielgruppe, nicht jedes Heft lebt ewig.

Schlimm ist nur, wenn man dem Projekt, dass man beerdigt, nicht den letzten öffentlichen Respekt erweist und es mit offenen Visier einstellt. Aktuelles Beispiel für eine Einstellung durch die kommunikative Hintertür lieferte gerade Bauer Media. Die Hamburger stellten ihr People- und Fashion-Magazin Life&Style ein.

In den vergangenen Jahren wurden für die Zeitschrift unzählige Pressemitteilungen geschrieben So wurde verkündet, dass man die Marktposition in der IVW gefestigt habe, dass es ein Accessoire-Special geben würde oder das Peter Levetzow die Geschäftsführung der Peoplemagazine InTouch und Life&Style übernehmen würde.



Die – zumindest vorübergehende – Einstellung war dem Verlag allerdings noch nicht einmal eine eigene Pressemitteilung wert. Das Ende des Magazins wurde in einer Mitteilung über eine neue InTouch-Kampagne versteckt. Im dritten Absatz heißt es auf einmal: „Im Zuge der Offensive werden Konzeption und Erscheinungsweise von Life&Style verändert und an die Bedürfnisse der Leser und des Marktes angepasst. Für März 2013 ist ein neues monothematisches Heftkonzept geplant. Bisher erschien Life&Style wöchentlich.“


Überschrift der Pressemitteilung, in der die Todesnachricht für Life&Style versteckt war: „InTouch sorgt für unterhaltsame Sommertage“

Freitag, 27. Juli 2012

In eigener Sache: Interview mit DRadio Wissen


Heute Morgen habe ich mich mit DRadio Wissen über Twitter, die olympischen Spiele und die Kooperation zwischen dem Zwitscher-Dienst und NBC unterhalten


Donnerstag, 19. Juli 2012

Der Vorteil von Tageszeitungen gegenüber Online-Portalen


Es gibt einen kleinen aktuellen Blog-Trend, die Zukunft der Tageszeitung anzuzweifeln. Thomas Koch hat dies gerade in einem klasse Beitrag getan. Thomas Knüwer macht dies latent eigentlich immer. Als mich dann heute eine Studentin anrief und ein paar Fragen wegen ihrer Bachelorarbeit stellte, wollte sie unter anderen wissen: „Welchen Vorteil haben Tageszeitungen gegenüber Online-Portalen?“

Jetzt war der Zeitpunkt gekommen die Ehre der Print-Kollegen zu verteidigen. Ich dacht also kurz nach und antwortet ehrlich: es gibt keinen.

Tatsächlich sind alle Argumente, die man ins Feld führen kann, nicht stichhaltig. So heißt es immer: Tageszeitungen, bieten mehr Hintergrund, ordnen das Geschehen besser ein, haben tolle Kommentare und mehr Abstand, großartige Reportagen, mehr Zeit für Recherchen und die besseren Autoren. Das mag alles Stimmen. Ist aber kein Alleinstellungsmerkmal.

Denn all das kann auch Online. So hat beispielsweise Spiegel Online auch guten Hintergrund, ordnet das Geschehen bereits sehr sauber ein, bietet Kolumnen, hat Reportagen, guten Autoren und saubere Recherche. Manchmal wüscht man den Redakteure noch etwas mehr Zeit. Aber das ist eine Frage der Prioritäten und der noch immer recht knappen Budgets.

Heißt: Im Grunde gibt es keinen echtes Alleinstellungsmerkmal von Tageszeitungen gegenüber einer gut geführten Online-Redaktion.

Was eine Tageszeitung allerdings nicht hat, sind weiterführende Links, erklärende Videos und andere Bewegtbildinhalte, Audioslideshows, spannende Datentools und vor allem die Möglichkeit einen Text ständig zu aktualisieren. So stehen in jeder Tageszeitung am nächsten Morgen immer die Inhalte von gestern. Zudem kann eine Tageszeitung nicht in Echtzeit mit seinen Lesern kommunizieren.

Es sieht also nicht gut aus für die Tageszeitungen.

Kurz zur Ehrenrettung: Mit wirklich überzeugen Inhalten, Top-Autoren, einen kreativen optisch Ansatz sowie einer klaren und überzeugenden Haltung, können Tageszeitungen wie die FAZ und SZ noch immer Punkten und eine Qualität liefern, wie wir sie zur Zeit im deutschen Web nicht finden. Allerdings könnte dies auch ein Web-Portal, wenn das Management bereit wäre, das Experiment zu wagen und das nötige Budget zur Verfügung zu stellen. Mit allem Geld der Welt kann eine Tageszeitung aber kein Bewegtbild, keinen Daten-Journalismus, keine weiterführenden Links, keine aktualisierten Artikel und nicht in Echtzeit mit seinen Lesern kommunizieren.

Deshalb: Es sieht nicht gut aus für die Tageszeitung.

Das Tolle an diesem Posting: Freitagmittag kommen die IVW-Zahlen für das zweit Quartal. Wenn also die Tageszeitungen zu den Auflagengewinnern gehören sollten, dann werden ich einfach an dieses Posting rangehen und es ergänzen. 

Dienstag, 17. Juli 2012

Entzaubert: der blöde Hype um Unboxing-Videos


Nennt mich unromantisch. Aber was neue Technik anbelangt, kann ich dem Hype nur schwerlich nachvollziehen, warum man ein Video davon machen sollte, wie man ein neues Gadget auspackt. Oder genauer: Ich kann einfach nicht verstehen, warum jedes Technik-Blog  - und davon gibt es verdammt viele  - einen eigenen Film drehen muss, in dem man sieht, wie ein neues Handy, ein neuer Computer, Tablet oder ein neues Faxgerät (gibt es die überhaupt noch) ausgepackt wird. Reichen nicht zwei Clips, auf die dann alle verlinken?

Kurze Rede, langer Sinn: sehen Sie sich dieses wunderbare Video an. Unzählige Tech-Blogger und –Redakteure blamieren sich beim Versuch das neue Google-Smartphone mit Stil und Würde auszupacken. Bei der miesen Performance müssten die glatt alle einpacken. 




Montag, 16. Juli 2012

Studien: Über Facebook und Twitter lesen die Menschen Nachrichten, die sie sonst nicht wahrgenommen hätten


Lesen wir über Social Networks wirklich Nachrichten, die wir sonst nicht sehen bzw. wahrnehmen würden? Einer meiner Studenten hatte das bereits vor Wochen gefragt. Zwar spät, aber hier ist die Antwort: Ja. 

Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine eMarketer-Studie, ein Bericht von Simply Measured und eine Untersuchung vom PewResearch Center’s Project for Excellence in Journalism. Demnach gaben im Januar 2012 39 Prozent aller Twitter-Nutzer an, dass sie über den Microblogging-Dienst Nachrichten sahen, die sie nirgendwo sonst in ihrem normalen News-Kosmos wahrnahmen. Bei Facebook lag diese Rate mit 34 Prozent leicht niedriger. 




Vor allem die Einführung der neuen Timeline bei Facebook sorgte dafür, dass die Nutzer mit einer weit größeren Begeisterung Inhalte über das weltweit größte Social Network teilen.

Ein weiterer spannender Effekt ist: Je mehr Inhalte Nutzer teile, desto mehr neuen Content, ob nun Text, Videos oder Bilder, entdecke sie auch. “And the more they discover, the more likely they are to turn first to Facebook for content they used to get elsewhere“, erklärt der eMarketer-Analyst Paul Verna.

Sonntag, 1. Juli 2012

Verlagsmanager und das „Rach, der Restauranttester“-Prinzip


Wiwo-RedakteurSebastian Matthes hat treffend analysiert, dass sich die Verlagsbranche derzeit selbst zerlege, weil sie den verpennten digitalen Wandel dadurch zu bekämpfen sucht, indem sie mit immer neuen Titeln, einen immer größeren Teil des schrumpfenden Werbekuchens zu ergattern hofft. 

Eigentlich ist der Analyse kaum mehr etwas hinzuzufügen. Allerdings kommt mir ein Gedanke zu kurz: Der, des immensen Bedeutungsverlustes, unter dem vor allem die meisten Magazine leiden. Auch dies ist ein erheblicher Anlass für die sinkenden Verkaufszahlen. Die Leser haben immer häufiger das Gefühl, nichts zu verpassen, wenn sie einen Titel nicht kaufen. Das war früher noch anders. 

Der Grund dafür ist die abnehmende inhaltliche Qualität vieler Magazine. Ihnen gelingt es immer seltener mehr und besseres zu Liefern, als es Online-Redaktionen oder Tages- und Sonntagszeitungen können. Damit entfällt eine der wichtigsten Grundlagen für den Kauf einer Zeitschrift. 

Einer der Hauptgründe für den inhaltlichen Niedergang vieler Titel (es gibt natürlich Ausnahmen) ist – und hier kommt Sebastian Mathes wieder ins Spiel -, ist die große Anzahl an Line-Extensions (Titelflut) mit denen viele Verlagsmanager versuchen den Auflagenrückgang abzufedern. Heute produzieren vielen Redaktion neben den Hauptheften, noch eine Armada an Sonderheften und Spin-Offs. Allerdings ohne mit signifikant mehr Mitarbeitern ausgestattet zu werden. Die direkte Folge: Um die große Menge an Storys überhaupt noch produzieren zu können, werden die Hürden an Qualität, Kreativität und Exklusivität, die einer Geschichte haben muss, um ins Blatt zu kommen, immer niedriger. 

Heißt: Neben den Effekt auf die Werbeeinnahmen, hat die Titelflut auch oftmals böse Folgen für die inhaltliche Qualität. Spätestens seit „Rach, der Restauranttester“ wissen wir aber: Wenn ein Laden nicht läuft, muss als erstes die Qualität des Kernproduktes mit einer Besinnung auf das klassische Handwerk gesteigert werden.

Donnerstag, 28. Juni 2012

Wg. Computer Bild an Döpfner: Evolution einer Brieffreundschaft


Seit dem PIN-Debakel hatte Springer-CEO Mathias Döpfner wohl nicht mehr so viel mit Briefen zu tun, wie während des noch immer anhaltenden Protestes vieler Mitarbeiter der Computer-Bild-Gruppe gegen eine Auslagerung des Unternehmens.
Wichtigstes Mittel der gewerkschaftlich organisierten Proteste waren diesmal Briefe, die an den Vorstandsvorsitzen geschrieben wurden. In ihnen wurde „gefordert“, „appelliert“ und „gebittet“. An den letzten Sätzen lässt der Schreiben lässt sich wunderbar die Historie – mit all seinen Eskalationsstufen - des Disputes ablesen.
05. März
Der erste offene Brief endet mit dem Aufruf an Döpfner: „Handeln Sie – im Sinne der Axel Springer AG und im Geiste Axel Cäsar Springers!“
06. März
Auf die erste Post antwortete Döpfner. Sein letzter Satz: „
Dies ist und bleibt die einzige Option zur Zukunftssicherung der Computer-Titel, die wirtschaftlich und publizistisch Erfolg verspricht.“
23. März
Die Mitarbeiter-Antwort auf die Döpfner-Antwort endet mit: „So könnten Sie die Anerkennung und den Respekt, den Sie im „Code of Conduct“ selbst einfordern, auch in der Praxis leben.“
3. April
Solidaritätsadresse
von 27 Redakteuren und Technikern des Heise Zeitschriften Verlags. Die Abschluss-Formulierung: „Wir sehen diese Entwicklung mit großer Sorge und hoffen, dass das Management bei Springer diesen Argumenten zugänglich ist und von seinen rigorosen Sparplänen seiner Computertitel ablässt.“
24. MaiDer Betriebsrat der Bergedorfer Zeitung schickte einen Solidaritätsbrief. Sein Ende: „Mit Euren Warnstreiks habt Ihr ein Zeichen gesetzt: Für die engagierten Menschen, die bereit sind, für die eigenen Belange und die aller Kollegen einzustehen. Und Ihr dürft sicher sein, Ihr seid nicht allein.“
17.Juni
Die protestierenden Mitarbeiter greifen wieder zum Stift. Der Brief endet mittlerweile mit der gestressten Formulierung:
"Schämen Sie sich nicht, Herr Dr. Döpfner?"
28. Juni
Ein Brief von 14 Betriebsräten anderer Verlage endet mittlerweile mit einer fast schon demütigen Bitte: „Bitte zeigen Sie wahre Größe und nehmen Sie von Ihren Plänen Abstand!“

Möglicherweise hätte man sich die ganze Korrespondenz sparen können. Denn Döpfner hat aus seiner Sicht wohl genau das getan, was im ersten Brief von ihm verlangt wurde: Er hat "im Sinne Sinne der Axel Springer AG" gehandelt.

Sonntag, 24. Juni 2012

„Sport Bild“ liest keine „11 Freunde“


Mit der Recherche hat es bei der „Sport Bild“ diesmal nicht ganz so gut geklappt. Am 13. Juni liegt „Europas Nr.1“ (so die Unterzeile) am Kiosk. Weiter hinten im Heft ist die kurze History-Story zum EM-Spiel Deutschland gegen Holland „Van Breukelen: Darum mag ich Deutsche nicht“. Die Headline bezieht sich auf ein berühmtes Bild von 1990. Damals hatte der Torhüter der Elftal Rudi Völler in bester Oli Kahn-Manier angebrüllt. 

Das Foto ist ein Klassiker und es ist fast logisch, dass die Redaktion das Bild wieder rauskramte. Allerdings hätte der verantwortliche Redakteur besser einmal in die Juni-Ausgabe der „11 Freunde“ geschaut. Diese lag zu diesen Zeitpunkt schon eine ganze Weile am Kiosk. Dort findet sich ein Interview mit Hans van Breukelen, „der bei der WM Rudi Völler in Grund und Boden“ brüllte. Das Gespräch trägt die Überschrift. „Ich bin verliebt in euch Deutsche“. Der Teaser endet mit dem Satz: „Heute hingegen hat die holländische Torwartlegende ein Faible für den deutschen Fußball“.



Falls die „Sport Bild“ nicht „11 Freunde“ ließt, was sich nur mit dem Faktor Neid erklären ließe,  hätte es die Springer-Leute auch noch einmal bei Spiegel Online nachlesen können. Dort recycelte das „Magazin für Fußballkultur“ Teile der Story.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Weniger BILD, mehr Liebe, mehr Taktik: Acht EM-Forderungen an ARD/ZDF


Mit Ende der Vorrunde und dem Beginn des EM-Viertelfinals, ist der richtige Zeitpunkt für erstes kleines Resümee gekommen. Bereits nach zwei Wochen steht ein, wenn nicht gar der größte Verlierer des Turniers fest: Die EM-Teams von ARD und ZDF. Was die beiden Sender bislang lieferten grenzte teilweise an intellektuelle Zuschauerbeschimpfung. Es ist erschreckend zu sehen, für wie dumm die Redaktionen, Moderatoren und Sender-Verantwortlichen ihre Zuschauer offenbar halten. Deshalb ist es an der Zeit acht Forderungen an die Sportchefs und Intendanten von ARD und ZDF zu stellen.

1. Nehmen Sie endlich Ihre Zuschauer ernst
Es reicht nicht, wenn ein Oliver Kahn davon spricht, dass die Spieler „näher am Mann stehen müssen“. Jeder Zuschauer hat ein Recht darauf, dass der Experte, wenn es schon der Moderator nicht kann, ernsthaft erklärt, aufgrund welcher taktischer Fehler ein Tor gefallen ist.

2. Fußball und die EM sind der Star
Niemand will Oliver Kahn bei dem Versuch zusehen einen ersten Tweet zu formulieren. Die EM-Sendungen sollen ernsthaft über das Turnier und das Drumherum, auch gerne die politischen Begebenheiten berichten. Wenn es keine sinnvollen Inhalte für die restlicht Sendezeit gibt, spricht nichts dagegen, die Sendung zu beenden. Ob die Übertragung um 23.00 Uhr oder um 23.30 endet, ist irrelevant. Relevant ist aber, dass die Zuschauer das Gefühl haben, dass ihre Zeit nicht verschwendet wird.

3. Weniger Bild, mehr SZ
Die Bild hat nicht den besten Sportteil und alles was in der Bild steht, ist nicht automatisch das bestimmende Thema. Bei diesem Turnier scheint der Druck auf die Moderatoren und TV-Reporter besonders stark zu sein, auch wirklich jeden Bericht der Boulevardzeitung auch noch im TV aufzuarbeiten. Wie man über die EM berichten kann, ohne sich von jeder scheinbaren Aufgeregtheit anstecken zu lassen, zeigt vorbildlich der Sportteil der Süddeutschen Zeitung (andere Zeitungen machen das bestimmt auch ganz famos).

4. Mehr Fachwissen, weniger Flachwissen
Die taktische Unwissenheit vieler Moderatoren ist beängstigend. Genauso wie das nicht vorhandenen Verständnis der Statuten. Jeder, der erlebt hat, wie Béla Réthy bei demVersuch scheiterte, zu erklären, wann Frankreich und wann Italien ausgeschieden sind, ist noch immer peinlich berührt. Zudem haben die meisten Reporter große Schwierigkeiten ein Spiel zu lesen. Gutes Beispiel hierfür ist die völlig unterschiedliche Wahrnehmung der ersten Halbzeiten von Deutschland – Dänemark oder Ukraine – England zwischen dem TV-Reporter und Mehmet Scholl. Die TV-Macher scheinen völlig zu unterschätzten, wie groß das Taktik-Interesse bei den Zuschauer/Lesern ist. Nicht umsonst hat die Welt oder 11 Freunde spezielle Kolumnen. Ein weiteres gutes Beispiel sind die tollen Interviews mit dem DFB-Taktik-Experten Frank Wormuth von Spox.

5. Crashkurs für Sportjournalisten
Vorschlag: Könnte der DFB nicht einen Trainer/Taktik-Crashkurs für Sportjournalisten anbieten? Es dürfte doch auch im Interesse der Sportfunktionäre sein, dass die Berichterstatter besser verstehen, was auf dem Platz passiert.

6. Mehr Trainer, weniger Ex-Profis als Experten
Es ist ein ständiges Ärgernis: Wer einmal einen Trainer ernsthaft über Fußball hat reden hören und dann den meist belanglosen Analysen von Ex-Spieler lauschen muss, fühlt sich leicht verarscht. Liebes ZDF, liebe ARD, bitte fragt viel häufiger doch einmal Trainer wie Ralf Rangnick oder Lucien Favre. Diese Herren können substantielle Debatten-Beiträge beisteuern.

7. Lustige Fußball-Formate sofort verbieten
Spätestens seit Fever Pitch von Nick Hornby, dürfte auch hierzulande bekannt sein: Fußball ist eine ernste Angelegenheit. Alle Versuche sich lustige dem Thema zu nähern, wie beispielsweise Waldis EM-Club sind intellektuelle Publikumsbeschimpfung.

8. Fangen Sie endlich an den Fußball zu lieben
Das Schlimmste ist aber, dass die meisten Beiträge bei ARD/ZDF nicht das Gefühl vermitteln, dass die Macher den Fußball wirklich lieben. Es ist immer Dienst nach Vorschrift. Meistens solide gemachte Arbeit. Aber wo ist die echte Begeisterung, der echte Ärger?
Ob bei den Studiomoderationen, den TV-Berichten oder den Live-Moderationen: alles ist so ordentlich. Wo ist die verbale Anarchie, wo ist der Reporter, der für den Sport brennt und sich zur Not auch mal den Mund verbrennt? Absoluter negativer Höhepunkt waren hier die Reporter Fragen nach der Partie Deutschland gegen Holland. Positive Ausnahme: Mehmet Scholl. Der Mann hat sich immer noch eine gewisse kindliche Freude am Fußball bewahrt und ist in Sachen „Wundgelegen“ vielleicht über das Ziel herausgeschossen, aber er hatte Mut zur Meinung gehabt. Das verdient Respekt, denn Scholl liebt und respektiert das Spiel aus ganzen Herzen. Das scheint ihn von vielen seiner TV-Kollegen zu unterscheiden.



Mittwoch, 20. Juni 2012

“Sat.1 ist Stulle“: Die Stromberg-Show bei der P7S1-PK

Am Mittwoch stellte ProSiebenSat.1 das Programm der kommenden TV-Saison vor. Hier mein erster Text dazu.

Humoristischer Höhepunkt des Abends war Stormberg, der über die Medien im Allgemeinen und P7S1 im Besonderen herzog. Seine besten Pointen:

„Ich würde nie was mit einer freischaffenden Journalistin anfangen. Mit Elend kann ich nicht so gut umgehen.“

„Wer hätte gedacht, dass sich der Euro länger hält als Harald Schmidt. Jetzt ist er weg von Fernsehen – und bei Sky gelandet.“

Über „den letzten Bullen“ „Henning Baum. Nach dem sind in Deutschland ganze Schulen benannt.“

Über Sixxt „Sowas wie Al Jazeera. Nur mit Östrogenen, statt Allah. Und die Quoten sind auch nur so hoch wie die Inflationsrate.“

„Sat.1 der Kuschelsender. Wellness für die Augen und die deutsche Antwort auf ProSieben. Sat.1 ist Stulle.“

Freitag, 4. Mai 2012

Donnerstag, 3. Mai 2012

Vogue verzichtet auf Magermodels, aber anders als die Brigitte

Heute hat die Vogue bekannt gegeben, in allen ihren 19 internationale Ausgaben auf Mager-Models zu verzichten. Sofort schießt der Vergleich mit G+Js Brigitte ins Hirn. Es gibt aber einen kleinen, aber feinen Unterschied. Die Vogue verzichtet auf Profi-Models, die „an Essstörungen leiden“. Die Brigitte verzichtet seit 2010 auf Profi-Models und setzt seit dem auf Amateure. Allerdings ist es natürlich ein Nebeneffekt, dass es kaum noch „Hungerharken“ in Gruner + Jahrs Frauenzeitschrift zu sehen ist. Den Brigitte/Vogue-Denkfehler hat allerdings auch die dpa schon gemacht. Die Folge: Solche Cover werden wir also bald nicht mehr sehen.
Und sonst? Carta jetzt mit Verein und Vermarkter