Sonntag, 1. Juli 2012
Verlagsmanager und das „Rach, der Restauranttester“-Prinzip
Wiwo-RedakteurSebastian Matthes hat treffend analysiert, dass sich die Verlagsbranche derzeit selbst zerlege, weil sie den verpennten digitalen Wandel dadurch zu bekämpfen sucht, indem sie mit immer neuen Titeln, einen immer größeren Teil des schrumpfenden Werbekuchens zu ergattern hofft.
Eigentlich ist der Analyse kaum mehr etwas hinzuzufügen. Allerdings kommt mir ein Gedanke zu kurz: Der, des immensen Bedeutungsverlustes, unter dem vor allem die meisten Magazine leiden. Auch dies ist ein erheblicher Anlass für die sinkenden Verkaufszahlen. Die Leser haben immer häufiger das Gefühl, nichts zu verpassen, wenn sie einen Titel nicht kaufen. Das war früher noch anders.
Der Grund dafür ist die abnehmende inhaltliche Qualität vieler Magazine. Ihnen gelingt es immer seltener mehr und besseres zu Liefern, als es Online-Redaktionen oder Tages- und Sonntagszeitungen können. Damit entfällt eine der wichtigsten Grundlagen für den Kauf einer Zeitschrift.
Einer der Hauptgründe für den inhaltlichen Niedergang vieler Titel (es gibt natürlich Ausnahmen) ist – und hier kommt Sebastian Mathes wieder ins Spiel -, ist die große Anzahl an Line-Extensions (Titelflut) mit denen viele Verlagsmanager versuchen den Auflagenrückgang abzufedern. Heute produzieren vielen Redaktion neben den Hauptheften, noch eine Armada an Sonderheften und Spin-Offs. Allerdings ohne mit signifikant mehr Mitarbeitern ausgestattet zu werden. Die direkte Folge: Um die große Menge an Storys überhaupt noch produzieren zu können, werden die Hürden an Qualität, Kreativität und Exklusivität, die einer Geschichte haben muss, um ins Blatt zu kommen, immer niedriger.
Heißt: Neben den Effekt auf die Werbeeinnahmen, hat die Titelflut auch oftmals böse Folgen für die inhaltliche Qualität. Spätestens seit „Rach, der Restauranttester“ wissen wir aber: Wenn ein Laden nicht läuft, muss als erstes die Qualität des Kernproduktes mit einer Besinnung auf das klassische Handwerk gesteigert werden.
Donnerstag, 28. Juni 2012
Wg. Computer Bild an Döpfner: Evolution einer Brieffreundschaft
Seit dem PIN-Debakel
hatte Springer-CEO Mathias Döpfner wohl nicht mehr so viel mit Briefen zu tun,
wie während des noch immer anhaltenden Protestes vieler Mitarbeiter der
Computer-Bild-Gruppe gegen eine Auslagerung des Unternehmens.
Wichtigstes Mittel
der gewerkschaftlich organisierten Proteste waren diesmal Briefe, die an den
Vorstandsvorsitzen geschrieben wurden. In ihnen wurde „gefordert“, „appelliert“
und „gebittet“. An den letzten Sätzen lässt der Schreiben lässt sich wunderbar
die Historie – mit all seinen Eskalationsstufen - des Disputes ablesen.
05. März
Der erste offene Brief endet mit dem Aufruf an Döpfner: „Handeln Sie – im Sinne der Axel Springer AG und im Geiste Axel Cäsar Springers!“
Der erste offene Brief endet mit dem Aufruf an Döpfner: „Handeln Sie – im Sinne der Axel Springer AG und im Geiste Axel Cäsar Springers!“
06. März
Auf die erste Post antwortete Döpfner. Sein letzter Satz: „Dies ist und bleibt die einzige Option zur Zukunftssicherung der Computer-Titel, die wirtschaftlich und publizistisch Erfolg verspricht.“
Auf die erste Post antwortete Döpfner. Sein letzter Satz: „Dies ist und bleibt die einzige Option zur Zukunftssicherung der Computer-Titel, die wirtschaftlich und publizistisch Erfolg verspricht.“
23. März
Die Mitarbeiter-Antwort auf die Döpfner-Antwort endet mit: „So könnten Sie die Anerkennung und den Respekt, den Sie im „Code of Conduct“ selbst einfordern, auch in der Praxis leben.“
Die Mitarbeiter-Antwort auf die Döpfner-Antwort endet mit: „So könnten Sie die Anerkennung und den Respekt, den Sie im „Code of Conduct“ selbst einfordern, auch in der Praxis leben.“
3. April
Solidaritätsadresse von 27 Redakteuren und Technikern des Heise Zeitschriften Verlags. Die Abschluss-Formulierung: „Wir sehen diese Entwicklung mit großer Sorge und hoffen, dass das Management bei Springer diesen Argumenten zugänglich ist und von seinen rigorosen Sparplänen seiner Computertitel ablässt.“
Solidaritätsadresse von 27 Redakteuren und Technikern des Heise Zeitschriften Verlags. Die Abschluss-Formulierung: „Wir sehen diese Entwicklung mit großer Sorge und hoffen, dass das Management bei Springer diesen Argumenten zugänglich ist und von seinen rigorosen Sparplänen seiner Computertitel ablässt.“
24. MaiDer Betriebsrat der
Bergedorfer Zeitung schickte einen Solidaritätsbrief. Sein Ende: „Mit Euren Warnstreiks habt Ihr ein Zeichen gesetzt: Für die
engagierten Menschen, die bereit sind, für die eigenen Belange und die aller
Kollegen einzustehen. Und Ihr dürft sicher sein, Ihr
seid nicht allein.“
17.Juni
Die protestierenden Mitarbeiter greifen wieder zum Stift. Der Brief endet mittlerweile mit der gestressten Formulierung: "Schämen Sie sich nicht, Herr Dr. Döpfner?"
Die protestierenden Mitarbeiter greifen wieder zum Stift. Der Brief endet mittlerweile mit der gestressten Formulierung: "Schämen Sie sich nicht, Herr Dr. Döpfner?"
28. Juni
Ein Brief von 14 Betriebsräten anderer Verlage endet mittlerweile mit einer fast schon demütigen Bitte: „Bitte zeigen Sie wahre Größe und nehmen Sie von Ihren Plänen Abstand!“
Ein Brief von 14 Betriebsräten anderer Verlage endet mittlerweile mit einer fast schon demütigen Bitte: „Bitte zeigen Sie wahre Größe und nehmen Sie von Ihren Plänen Abstand!“
Möglicherweise hätte
man sich die ganze Korrespondenz sparen können. Denn Döpfner hat aus seiner Sicht wohl genau das getan, was im ersten Brief von ihm verlangt wurde: Er
hat "im Sinne Sinne der Axel Springer AG" gehandelt.
Sonntag, 24. Juni 2012
„Sport Bild“ liest keine „11 Freunde“
Mit der Recherche hat es bei der „Sport Bild“ diesmal nicht
ganz so gut geklappt. Am 13. Juni liegt „Europas Nr.1“ (so die Unterzeile) am
Kiosk. Weiter hinten im Heft ist die kurze History-Story zum EM-Spiel
Deutschland gegen Holland „Van Breukelen: Darum mag ich Deutsche nicht“. Die
Headline bezieht sich auf ein berühmtes Bild von 1990. Damals hatte der
Torhüter der Elftal Rudi Völler in bester Oli Kahn-Manier angebrüllt.
Das Foto ist ein Klassiker und es ist fast logisch, dass die
Redaktion das Bild wieder rauskramte. Allerdings hätte der verantwortliche
Redakteur besser einmal in die Juni-Ausgabe der „11 Freunde“ geschaut. Diese
lag zu diesen Zeitpunkt schon eine ganze Weile am Kiosk. Dort findet sich ein
Interview mit Hans van Breukelen, „der bei der WM Rudi Völler in Grund und
Boden“ brüllte. Das Gespräch trägt die Überschrift. „Ich bin verliebt in euch
Deutsche“. Der Teaser endet mit dem Satz: „Heute hingegen hat die holländische
Torwartlegende ein Faible für den deutschen Fußball“.
Falls die „Sport Bild“ nicht „11 Freunde“ ließt, was sich
nur mit dem Faktor Neid erklären ließe, hätte
es die Springer-Leute auch noch einmal bei Spiegel Online nachlesen können. Dort recycelte das „Magazin für Fußballkultur“ Teile der Story.
Donnerstag, 21. Juni 2012
Weniger BILD, mehr Liebe, mehr Taktik: Acht EM-Forderungen an ARD/ZDF
Mit Ende der Vorrunde und dem Beginn des EM-Viertelfinals,
ist der richtige Zeitpunkt für erstes kleines Resümee gekommen. Bereits nach
zwei Wochen steht ein, wenn nicht gar der größte Verlierer des Turniers fest:
Die EM-Teams von ARD und ZDF. Was die beiden Sender bislang lieferten grenzte
teilweise an intellektuelle Zuschauerbeschimpfung. Es ist erschreckend zu
sehen, für wie dumm die Redaktionen, Moderatoren und Sender-Verantwortlichen ihre
Zuschauer offenbar halten. Deshalb ist es an der Zeit acht Forderungen an die
Sportchefs und Intendanten von ARD und ZDF zu stellen.
1. Nehmen Sie endlich Ihre Zuschauer ernst
Es reicht nicht, wenn ein Oliver Kahn davon spricht, dass
die Spieler „näher am Mann stehen müssen“. Jeder Zuschauer hat ein Recht
darauf, dass der Experte, wenn es schon der Moderator nicht kann, ernsthaft
erklärt, aufgrund welcher taktischer Fehler ein Tor gefallen ist.
2. Fußball und die EM sind der Star
Niemand will Oliver Kahn bei dem Versuch zusehen einen
ersten Tweet zu formulieren. Die EM-Sendungen sollen ernsthaft über das Turnier
und das Drumherum, auch gerne die politischen Begebenheiten berichten. Wenn es
keine sinnvollen Inhalte für die restlicht Sendezeit gibt, spricht nichts
dagegen, die Sendung zu beenden. Ob die Übertragung um 23.00 Uhr oder um 23.30
endet, ist irrelevant. Relevant ist aber, dass die Zuschauer das Gefühl haben,
dass ihre Zeit nicht verschwendet wird.
3. Weniger Bild, mehr SZ
Die Bild hat nicht den besten Sportteil und alles was in der
Bild steht, ist nicht automatisch das bestimmende Thema. Bei diesem Turnier
scheint der Druck auf die Moderatoren und TV-Reporter besonders stark zu sein,
auch wirklich jeden Bericht der Boulevardzeitung auch noch im TV aufzuarbeiten.
Wie man über die EM berichten kann, ohne sich von jeder scheinbaren
Aufgeregtheit anstecken zu lassen, zeigt vorbildlich der Sportteil der
Süddeutschen Zeitung (andere Zeitungen machen das bestimmt auch ganz famos).
4. Mehr Fachwissen, weniger Flachwissen
Die taktische Unwissenheit vieler Moderatoren ist
beängstigend. Genauso wie das nicht vorhandenen Verständnis der Statuten. Jeder,
der erlebt hat, wie Béla Réthy bei demVersuch scheiterte, zu erklären, wann Frankreich und wann Italien ausgeschieden
sind, ist noch immer peinlich berührt.
Zudem haben die meisten Reporter große Schwierigkeiten ein Spiel zu lesen.
Gutes Beispiel hierfür ist die völlig unterschiedliche Wahrnehmung der ersten
Halbzeiten von Deutschland – Dänemark oder Ukraine – England zwischen dem TV-Reporter
und Mehmet Scholl. Die TV-Macher scheinen völlig zu unterschätzten, wie groß
das Taktik-Interesse bei den Zuschauer/Lesern ist. Nicht umsonst hat die Welt
oder 11 Freunde spezielle Kolumnen. Ein weiteres gutes Beispiel sind die tollen
Interviews mit dem DFB-Taktik-Experten Frank Wormuth von Spox.
5. Crashkurs für Sportjournalisten
Vorschlag: Könnte der DFB nicht einen Trainer/Taktik-Crashkurs
für Sportjournalisten anbieten? Es dürfte doch auch im Interesse der Sportfunktionäre
sein, dass die Berichterstatter besser verstehen, was auf dem Platz passiert.
6. Mehr Trainer, weniger Ex-Profis als Experten
Es ist ein ständiges Ärgernis: Wer einmal einen Trainer
ernsthaft über Fußball hat reden hören und dann den meist belanglosen Analysen
von Ex-Spieler lauschen muss, fühlt sich leicht verarscht. Liebes ZDF, liebe
ARD, bitte fragt viel häufiger doch einmal Trainer wie Ralf Rangnick oder Lucien Favre. Diese Herren können substantielle
Debatten-Beiträge beisteuern.
7. Lustige Fußball-Formate sofort verbieten
Spätestens seit Fever Pitch von Nick Hornby, dürfte auch
hierzulande bekannt sein: Fußball ist eine ernste Angelegenheit. Alle Versuche sich
lustige dem Thema zu nähern, wie beispielsweise Waldis EM-Club sind intellektuelle
Publikumsbeschimpfung.
8. Fangen Sie endlich an den Fußball zu lieben
Das Schlimmste ist aber, dass die meisten Beiträge bei
ARD/ZDF nicht das Gefühl vermitteln, dass die Macher den Fußball wirklich
lieben. Es ist immer Dienst nach Vorschrift. Meistens solide gemachte Arbeit.
Aber wo ist die echte Begeisterung, der echte Ärger?
Ob bei den Studiomoderationen, den TV-Berichten oder den
Live-Moderationen: alles ist so ordentlich. Wo ist die verbale Anarchie, wo ist
der Reporter, der für den Sport brennt und sich zur Not auch mal den Mund
verbrennt? Absoluter negativer Höhepunkt waren hier die Reporter Fragen nach
der Partie Deutschland gegen Holland. Positive Ausnahme: Mehmet Scholl. Der
Mann hat sich immer noch eine gewisse kindliche Freude am Fußball bewahrt und
ist in Sachen „Wundgelegen“ vielleicht über das Ziel herausgeschossen, aber er
hatte Mut zur Meinung gehabt. Das verdient Respekt, denn Scholl liebt und
respektiert das Spiel aus ganzen Herzen. Das scheint ihn von vielen seiner
TV-Kollegen zu unterscheiden.
Mittwoch, 20. Juni 2012
“Sat.1 ist Stulle“: Die Stromberg-Show bei der P7S1-PK
Am Mittwoch stellte ProSiebenSat.1 das Programm der kommenden TV-Saison vor. Hier mein erster Text dazu.
Humoristischer Höhepunkt des Abends war Stormberg, der über die Medien im Allgemeinen und P7S1 im Besonderen herzog. Seine besten Pointen:
„Ich würde nie was mit einer freischaffenden Journalistin anfangen. Mit Elend kann ich nicht so gut umgehen.“
„Wer hätte gedacht, dass sich der Euro länger hält als Harald Schmidt. Jetzt ist er weg von Fernsehen – und bei Sky gelandet.“
Über „den letzten Bullen“ „Henning Baum. Nach dem sind in Deutschland ganze Schulen benannt.“
Über Sixxt „Sowas wie Al Jazeera. Nur mit Östrogenen, statt Allah. Und die Quoten sind auch nur so hoch wie die Inflationsrate.“
„Sat.1 der Kuschelsender. Wellness für die Augen und die deutsche Antwort auf ProSieben. Sat.1 ist Stulle.“
Humoristischer Höhepunkt des Abends war Stormberg, der über die Medien im Allgemeinen und P7S1 im Besonderen herzog. Seine besten Pointen:
„Ich würde nie was mit einer freischaffenden Journalistin anfangen. Mit Elend kann ich nicht so gut umgehen.“
„Wer hätte gedacht, dass sich der Euro länger hält als Harald Schmidt. Jetzt ist er weg von Fernsehen – und bei Sky gelandet.“
Über „den letzten Bullen“ „Henning Baum. Nach dem sind in Deutschland ganze Schulen benannt.“
Über Sixxt „Sowas wie Al Jazeera. Nur mit Östrogenen, statt Allah. Und die Quoten sind auch nur so hoch wie die Inflationsrate.“
„Sat.1 der Kuschelsender. Wellness für die Augen und die deutsche Antwort auf ProSieben. Sat.1 ist Stulle.“
Freitag, 4. Mai 2012
Donnerstag, 3. Mai 2012
Vogue verzichtet auf Magermodels, aber anders als die Brigitte
Heute hat die Vogue bekannt gegeben, in allen ihren 19 internationale Ausgaben auf Mager-Models zu verzichten. Sofort schießt der Vergleich mit G+Js Brigitte ins Hirn. Es gibt aber einen kleinen, aber feinen Unterschied. Die Vogue verzichtet auf Profi-Models, die „an Essstörungen leiden“. Die Brigitte verzichtet seit 2010 auf Profi-Models und setzt seit dem auf Amateure. Allerdings ist es natürlich ein Nebeneffekt, dass es kaum noch „Hungerharken“ in Gruner + Jahrs Frauenzeitschrift zu sehen ist. Den Brigitte/Vogue-Denkfehler hat allerdings auch die dpa schon gemacht.
Die Folge: Solche Cover werden wir also bald nicht mehr sehen.
Und sonst? Carta jetzt mit Verein und Vermarkter
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